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M., ein Freund

Sieben Leben

Heute morgen um vier habe ich mich geärgert, was für eine Sauerei Du vor der Tür hinterlassen hast.

Na ja, ich musste dann auch los. Deswegen habe ich Dir zum Abschied über den Kopf gewuschelt und gelacht, als Du Dich vor dem Schraben meines Rucksackes an der Wand so erschreckt hast, dass Du entgeistert die Treppen hochgelaufen bist.

Ich habe mich schon heute morgen gefreut, Dich wiederzusehen, wenn ich aus München zurückkomme. So wie es eben immer ist, und auch Du Dich freust, wenn ich wiederkomme.

Ich habe keine Ahnung, wer es war, aber die ganze Straße ist voll Blut.

Gestern stand noch groß in der Zeitung, dass die Straße jetzt fertig umgebaut ist und wieder geöffnet wird und wir haben schon überlegt, was wir mit Dir machen, wenn die Raser wieder kommen.

Na ja, ich weiß noch, wie Du mal den schweren Metalldeckel auf den Kopf bekommen hast und wir dachten, Du stirbst. Das war zu Weihnachten vor drei oder vier Jahren und Du hast dann fast nur noch zähflüssigen Käse gegessen, bis alles wieder okay war.

Das Blut kann man von dem Fenster aus sehen, aus dem Du mal gesprungen bist. Ich muss ein bisschen lachen, wenn ich an damals denke.

Jetzt springst Du gar nicht mehr, nicht mehr wie heute morgen, gestern oder vor vier Stunden – es behauptet auch niemand mehr, Du hättest eine Zahnfehlstellung seit der Sache mit dem Eisendeckel…

Das muss schon ein echtes Arschloch sein, das Dich da auf der Straße sitzen sieht.

Es ist der erste August. Vor vier oder fünf Jahren, genau in zwei Wochen, da hast Du uns das erste Mal in Aufregung versetzt, als Du entführt wurdest und wir Dich erst nach langem Hin und Her wiederbekamen.

Ich frage mich, was der Typ denkt, der nicht am Stop-Schild bremst und als er Dich sieht, Gas gibt.

Ich war nicht dabei, aber meine Mutter hat mir gesagt, sie kam grad von der Arbeit. Und da hat sie sich bestimmt genau so auf Dich gefreut, wie ich.

Und als sie die Tür aufmacht, gehst Du raus. Wie jeden dieser Abende. Ein kleiner Spaziergang. Und Du freust Dich und schaust sie an.

Sie hat mir erzählt, dass Du noch ein bisschen gelebt hast und ich nicht wissen will, wie Du aussahst, als der Typ über Dich rübergebrettert ist und einfach wegfuhr. Kein Wimpernzucken. Du zucktest.

Die Feuerwehr hat Dich in eine Tasche gelegt und weggebracht.

Mann, Du hast Taschen geliebt. Und Kartons. Du hast Dich gern versteckt und dann andere erschreckt.

Ich würde Dir jetzt wirklich gern über den Kopf wuscheln, aber irgend so ein Idiot hat Dich vor vier Stunden umgekachelt.

Es ist so still jetzt. Aber ich hab mal gehört, das machen sie gern. Katzenfahren. 

 

Und - Wie viele hast Du dieses Wochenende geschafft?

2.8.08 01:47
 


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