Startseite
Über...
Wunschtraum
Archiv
Gästebuch
Kontakt
Abonnieren



M., ein Freund

Im Wartezimmer.

Warten. Warten. Warten.

Ich nehme mir den Reader's Digest vor mir und blättere darin herum.

M. will den Transporter ausbauen.

Ich sehe die Menschen nicht an. Ich bin durch den Wind, weil ich erst vor zehn Minuten aufgestanden bin.

Er denkt an ausziehbare Betten.

Ich finde seltsame Fremdwortdefinitionen und soll überprüfen, ob ich die richtige Bedeutung kenne.

Ich denke, das ist eine gute Sache. Er will seine Freundin mitnehmen.

Jemand ziemlich Altes hustet und ich spüre die Bazillen auf mich zusteuern.

Aber mit ungerade Zahlen reist es sich schlecht. Ob ich auch jemanden mitnehmen werde.

Ich blättere um.

Keine Ahnung, lass mir Zeit, höre ich die eigene beschwingte Stimme in meinem Kopf.

"Herr B. dann bitte ! Erste Tür links. Frau Doctor kommt gleich."

Ich ärgere mich. Ich glaube nicht, dass ich zu dritt oder viert reisen will. Aber ich habe gesagt mir fällt schon etwas ein.

Ich schleudere die Zeitschrift zurück auf den Tisch und stapfe in das nächste Wartezimmer, den Funktionsraum.

Schließlich wollen wir erst im August durch Europa touren, wenn ich mein Abi fertig habe.

Hier muss ich jedesmal wieder geuldig mindestens für 30 Minuten ausharren.

Ich überlege, ob er bis dahin überhaupt noch mit seiner Freundin zusammen ist und fühle mich schlecht, das ganze so zu betrachten.

Auf dieser Liege mit den losen Gummibändern und dem Putzplan vom letzten Monat an der Wand.

Ich sage mir, dass ich ihm das natürlich wünsche und er es verdient hat.

Ich versuche es mir einzureden - irgendwie klappt es dann auch. Zumindest rein ratio - emotio nicht. Emotio, dieser dreckige kleine Antagonist.

Ich sitze hier oft. Alle drei Wochen. Immer montags.

Ein Einbahnstraßengefühl beschleicht mich. Keine Ahnung von nichts.

Und denke nach, schließe die Augen.

Ich habe das Gefühl, allein oder zu zweit reist man auf eine ganz andere und viel intensivere Art, als in Gruppen.

Ich weiß, was es heißt, zu warten und öffne sie wieder.

Ich hoffe ich irre mich, weil ich keine Alternative zu meinem Problem kenne.

"Hallo! Na wie gehts ?" Frau Doctor ist da.

Irgendwie geht es immer. Irgendwie geht es immer weiter.

"Sind wir schonwieder dran? Dann wollen wir mal!"

Wir sind schonwieder dran. Und das Warten hat ein absehbares Ende.
17.11.07 15:30
 


bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)


Die Datenschuterklärung und die AGB habe ich gelesen, verstanden und akzeptiere sie. (Pflicht Angabe)

 Smileys einfügen
Gratis bloggen bei
myblog.de